Geigen aus Füssen und Lindenberger Hüte

Violins

Das Allgäu nimmt durch die Vielfalt seiner landschaftlichen Reize für sich ein: Seen, Flüsse, Wasserfälle, sanfte Hügel wechseln mit alpinen Bergregionen. Bauerntum, Klöster und freie Reichsstädte haben das Allgäu geprägt und spiegeln sich bis heute in seiner Handwerkskunst.

Geigen- und Lautenbau in Füssen
Die kleine Stadt Füssen gilt als Wiege des Geigen- und Lautenbaus in Europa. Das heimische Holz der Bergwälder, die alte, von der Adria über die Alpen bis zur Donau führende, römische Handelsstraße Via Claudia Augusta sowie der flößbare Lech boten dem holzverarbeitenden Gewerbe hervorragende Möglichkeiten. Viele Meister zog es später in die großen Kulturmetropolen nach Padua, Venedig, Rom und Neapel.
Als im 17. und 18. Jahrhundert der Bedarf an Streichinstrumenten stieg, etablierte sich auch der Geigenbau in Füssen. Im 19. Jahrhundert kam es jedoch zu einem Niedergang des Gewerbes. Heute wird die Tradition des Lauten- und Geigenbaus von den Geigenbauern Achim Hofer, Pierre Chaubert und Oliver Radke sowie dem Zupfinstrumentenbauer Urs Langenbacher fortgeführt.

Lindenberger Hüte
Lindenberg, die sonnenreichste Stadt Deutschlands, blickt auf eine jahrhundertealte Tradition der Hutmacherei zurück.
Im 16. Jahrhundert lebte der Ort vom Pferdehandel mit Italien. Von dort kam das Strohflechten nach Lindenberg. Bereits um 1650 wurden Lindenberger Strohhüte auf Märkten und im Hausierhandel verkauft.
Erste Hutfabriken entstanden im den Strohhut liebenden Biedermeier. Anfang des 20. Jahrhunderts galt Lindenberg als „Klein-Paris“ der Hutmode. Die Strohhüte wurden von Kreationen in Filz, Dralon, Leder und Pelz abgelöst.
In unseren hutlosen Zeiten wird die Geschichte der Lindenberger Hutmacherei von der 1800 gegründeten Firma Mayser GmbH & Co.KG fortgeschrieben, die mit vier Kollektionen á dreihundert Modellen pro Jahr zu den weltweit führenden Unternehmen für Hüte zählt.

Allgäuer Bändelteppiche
Früher war die Allgäuer Landschaft vom blaublühenden Flachs geprägt, der von den Bauernfamilien in Heimarbeit weiter verarbeitet wurde. Die Leinenweberei sicherte neben der Viehzucht die Existenz der Bauern bis im 19. Jahrhundert die billigere Baumwolle aufkam und das Allgäuer Leinen verdrängte. Später wandelte sich das „Blaue Allgäu“ zu einem „Grünen“ der Weidewirtschaft – die Bauern konnten auf den Ausbau der Milchwirtschaft und den Verkauf von Käse umstellen.
Kleinere Webereien finden sich noch heute. Insbesondere handgewebte Teppichwaren werden in Manufakturen, wie dem Allgäu-Teppich, in traditioneller Technik hergestellt.
Eine regionale Besonderheit stellen die Allgäuer Bändelteppiche dar, die, früher ein Abfallprodukt, aus gebrauchten Textilien mit einem besonderen Zopfmuster auf Handwebstühlen gewebt werden.

Die alten Handwerkstechniken und -traditionen werden im Allgäu sorgfältig bewahrt, Erfahrungen und Kenntnisse in der Arbeit mit den heimischen Materialien an nachfolgende Generationen weitergegeben.