Von Albigauge bis heute – ein geschichtlicher Überblick

Kemptener Stadtwappen

Menschen gibt es im Allgäu schon seit etwa 7000 vor Christi Geburt. Erste größere Bedeutung gewann die Region, als 15 Jahre vor Christus die Römer unter Führung des Feldherren Tiberius kamen. Sie gründeten eine Garnisonsstadt, aus der später Kempten wurde. Die Römer zogen erst etwa 500 Jahre später wieder ab, danach lebten in der Gegend wechselnde Völker – es war die Zeit der Völkerwanderung. Die Gründung des Klosters Kempten und die großzügige Förderung der Region war wenig später dem Umstand zu verdanken, dass Kaiser Karl der Große mit Hildegard verheiratet war, einer Alemannin, die sich um 780 sehr für die Gegend einsetzte. Erwähnt wurde das Allgäu erstmals 817 in einer St. Gallener Urkunde, damals noch als „Albigauge“.

Bauernaufstand und Luthers Einfluss
Die wechselvolle Geschichte des Mittelalters traf die verhältnismäßig kleine Region in vollem Umfang, das Allgäu wurde ein Mikrokosmos der Geschichte. Vor allem die späten Jahre waren auch eine Zeit großer Ungerechtigkeiten und damit auch großer Unzufriedenheit – viele Privilegien für wenige und große Not für viele. Die schlechten Lebensbedingungen, die auch den niederen Adel und Bürger trafen, mündeten 1525 in den so genannten Bauernkrieg, in dessen Folge zum ersten Mal etwas durchgesetzt wurde, was an die heutigen Menschenrechte erinnert. Die Unzufriedenheit mit der Macht und der Politik der Kirche führte bekanntlich dazu, dass Luther 1517 in Wittenberg seine Thesen an die Kirchentür schlug – und wenig später wandten sich auch im Allgäu die mächtigen Städte Kempten, Kaufbeuren und Memmingen seiner Lehre zu.

Von Flachs und Käse

Ludwig II. vor Neuschwanstein.

Ludwig II. vor Neuschwanstein.

Der 30jährige Krieg schließlich brachte auch über die Allgäuer Region Tod und Zerstörung, doch die Menschen dort gaben nicht auf. Viele Bauern betrieben im Nebenerwerb Flachsanbau für Leinenstoffe, und die blauen Blüten prägten für viele Jahrzehnte die Gegend. Nachdem der Markt für Leinen vor allem durch Baumwollimporte nicht mehr wirtschaftlich war, entwickelte sich glücklicherweise die Käseproduktion und verlieh dem Allgäu neuen Auftrieb.

Napoleon und Ludwig II
Große Veränderungen brachte dann Napoleons Sieg über die bayerisch-österreichischen Truppen. Der französische Kaiser begründete Anfang des 19. Jahrhunderts die Königreiche Bayern und Württemberg, die Landesgrenzen bestehen so noch heute. Mit dem 19. Jahrhundert hielten Fortschritt und Industrialisierung auch im ländlich geprägten Allgäu Einzug. 1847 wurde die Bahnstrecke Augsburg–Kaufbeuren an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1869 begannen die Bauarbeiten für Schloss Neuschwanstein, was damals nach einem finanziellen Desaster aussah, inzwischen aber ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt ist.

Seit die ersten Urlauber um 1875 ins Allgäu kamen, ist der Strom der Reisenden nicht abgerissen. Trotzdem findet noch immer jeder seinen Platz hier – zum Wandern, Klettern, für Kultur oder zur Erholung.