Der Allgäuer Dialekt

Unterhaltung

Der Allgäuer redet nicht gern. Vielleicht hat sich gerade deshalb ein besonders ausdrucksstarker Dialekt entwickelt, der sprachlich eine Enklave in Bayern darstellt. Während im südlichen Ober- und Westallgäu die Färbung der Sprache niederalemannisch ist, ist der Dialekt im nördlichen Oberallgäu, dem Unterallgäu und dem Ostallgäu schwäbischen Ursprungs. Hier geht er weg von der kehligen, harten Aussprache mit vielen “ ii“, „i-e“ und „ü“ hin zum weichen Dialekt mit den bekannten Diminutiven, den Verniedlichungen durch „le“. Man hört den Bewohnern an, aus welcher Ecke des Allgäus, ja aus welchem Ort sie kommen. So werden aus den Oberallgäuer „Auga“ im Ostallgäu „Ooga“, aus den Unterallgäuer „Meisle“ im alemannischen Teil „Müs“.

Herzhaft ist der Dialekt, Dinge werden unverblümt beim Namen genannt, auch wenn sie anatomisch nicht ganz korrekt sein mögen. „D’Füaß gangat bis zum Fiedla“, so ist das halt. Ein „Kiddrfiedla“ ist aber kein unentdeckter Körperteil, sondern ein sehr junges, albernes Mädchen. Verwirrend sind mehrfache Belegungen eines Wortes, Bauchbutz für Nabel, Apflbutz für übrig gebliebenes Kerngehäuse des Apfels und Fasnatbutz für einen Maskierten. Bei der Fasnat, auch Fasnet, schließt sich wieder der Kreis zum Alemannischen.

Alte Lehnwörter haben sich hier lange gehalten, Parablü für Regenschirm, Gugumbr für Gurke oder Altane, mit stumpf ausgesprochenem „e“, für Balkon. Bei vielen Dialektwörtern ist die althochdeutsche und mittelhochdeutsche Herkunft noch ganz leicht zu erkennen. Ein Teppich ist eine Blaache, eine Dille der Dachboden. Aber auch nach der reinen Tätigkeit entstanden Bezeichnungen, wie beispielsweise Bolladirre, für den Speicher als Trockenboden. Und auf den Alpen werden im Frühjahr nicht die Zäune gerichtet, es wird noch „ghaged“, vom althochdeutschen Hag für Zaun.

Richtig anstrengend für Nichteinheimische wird es im Oberallgäu. Um einen Hintrstuinar, also einen Bewohner von Hinterstein, einem kleinen Ortsteil von Bad Hindelang, zu verstehen, müssen sich sogar Kemptner ordentlich Mühe geben. Überhaupt ist es dem Allgäuer sehr wichtig, dass seine Herkunft richtig genannt ist. Der Sonthofer legt Wert darauf, dass das „n“ aus seinem Namen verschwindet, ein Einwohner von Fischen, dass er als Fischinger bezeichnet wird.

Er ist gewöhnungsbedürftig, der Allgäuer Dialekt. Aber zu erlernen, mit etwas Anstrengung, deshalb „Lant it luck“ – lasst nicht nach.