Das Schloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein

Hoch auf einem Felsen über dem Alpsee im Allgäu thront das Schloss Neuschwanstein. Die vielen Türme, die strahlend helle Fassade und die ungewöhnliche Lage machen es unverwechselbar, und es ist wohl eines der bekanntesten Schlösser der Welt.

Mittelalter und Minnesang
Gebaut hat dieses Märchenschloss der Märchenkönig, Ludwig II. von Bayern. Mit achtzehn Jahren auf den Thron gelangt, konnte sich der junge König für viele Dinge begeistern, vor allem für die Musik Richard Wagners und für prunkvolle und verspielte Schlossbauten. Davon ist das auffallendste sicherlich Neuschwanstein.
Der Bau an diesem Schloss begann 1869, als Ludwig nach dem Tod seines Großvaters höhere Zuwendungen erhielt und damit mehr Geld zur Verfügung hatte. Inspiriert wurde er von den mittelalterlichen Burgen, die vorher als Ruine auf demselben Berg gestanden hatten, und die der König aus seiner Kinderzeit kannte. Eine Art idealisierte mittelalterliche Burg, ähnlich wie die Wartburg, das war es, was sich der König für diesen Ort vorstellte. Hier wollte er sein privates Traumreich erschaffen, weit entfernt von den Regierungsgeschäften in München. So war es – schwer vorstellbar bei der Größe des Schlosses – als privater Rückzugsort gedacht, in dem lediglich der König mit seiner Dienerschaft Unterkunft finden sollte, öffentliche Repräsentationsräume waren nicht geplant. Die vorhandenen, üppig ausgemalten und reich ausgestatteten Zimmer dienten rein dekorativen Zwecken. Sie waren Ausdruck seiner Verehrung für das Mittelalter und für Richard Wagner, dessen Werke Themen für einige Zimmer boten. Bezeichnend ist, dass die Entwürfe für das Schloss von einem Theatermaler stammten, dem Münchner Christian Jank. Allerdings nahm auch der König selbst großen Einfluss auf die Planung und Gestaltung.

Modernste Technik

Ludwig II. vor Neuschwanstein.

Ludwig II. vor Neuschwanstein.

Das beeindruckende Äußere des Schlosses und seine Berühmtheit als Märchenschloss lassen manchmal vergessen, dass es nicht nur das Produkt eines schwärmerischen Tagträumers ist. Ludwig II. hat einen großen Teil seines Lebens seine Regierungsgeschäfte sehr gewissenhaft wahrgenommen, und er war sehr interessiert an moderner Technik und ihren Möglichkeiten. So gehören auch zum Schloss Neuschwanstein einige technische Neuerungen, die für die damalige Zeit ungewöhnlich waren. Die Dienerschaft war durch eine batteriebetriebenen Rufanlage mit den Herrschaftsräumen verbunden, es gab einen Herd, auf dem ein Spieß durch Eigenwärme gedreht wurde, die dabei entwickelte warme Luft kam einer Heizungsanlage zugute. Außerdem gab es fließendes warmes Wasser und Toiletten mit einem eingebauten Spülmechanismus.

Der unvollendete Traum
Die Kosten für den Bau Neuschwansteins stiegen allerdings bald ins Unermessliche. Nicht zuletzt sie waren der Anlass, Ludwig II. 1886 zu entmündigen. Richard Wagner, dessen Werk Ludwig bei diesem Bau inspirierte, ist niemals dort gewesen, und auch der König selbst hatte bis zu seinem Tod 1886 nicht einmal 200 Tage hier gewohnt. Zu seinen Lebzeiten war das Traumschloss nicht vollendet worden. Wäre es nach seinem Wunsch gegangen, wäre es niemals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Gut, dass es anders gekommen ist.