Das Auftaktspringen zur Vierschanzentournee in Oberstdorf

Heini-Klopfer-Skiflugschanze

Jedes Jahr kurz vor Silvester, genauer gesagt am 29. oder 30. Dezember, blickt die ganze Sportwelt nach Oberstdorf. Der sonst so beschauliche und idyllische Ort im wunderschönen Oberallgäu verwandelt sich dann in ein Mekka für Skisprungfans. Bereits seit dem Jahr 1953 gehört Oberstdorf zu den Austragungsorten der Vierschanzentournee und hat sich längst als Auftaktspringen etabliert. Hier werden also die Weichen auf dem Weg zum späteren Tour-Sieg gestellt. Im Anschluss macht sich der Skisprung-Tross auf zum Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Danach verlässt die Vierschanzentournee die deutsche Grenze, um in Österreich – zunächst in Innsbruck, dann in Bischofshofen – den Champion zu ermitteln.

Die erfolgreichsten Lokalmatadoren

Für die deutschen Skispringer hat der Wettbewerb in Oberstdorf einen ganz besonderen Anreiz zu bieten, da sie hier als Lokalmatadoren die HS137-Großschanze erklimmen und anschließend von tausenden frenetischen Zuschauern unten in der Erdinger Arena empfangen werden. Es ist also kein Wunder, dass in Oberstdorf bereits viele schwarz-rot-goldene Athleten für Furore sorgen konnten. So gelang es den deutschen Skisprung-Legenden Jens Weißflog und Sven Hannawald, zweimal das Auftaktspringen zu gewinnen, Dieter Thoma und Martin Schmitt siegten in Oberstdorf sogar dreimal. Letzterer ging als erster und bisher einziger Springer in die Geschichte ein, dem auf der großen Schattenberschanze der Hattrick gelang (1998 bis 2000).

Der Schattenberg verwandelt sich in die Erdinger Arena

Oberstdorf im Winter

Blick über Oberstdorf.

Die Geschichte des altehrwürdigen Skisprungstadions am Schattenberg ist ähnlich interessant wie das jährlich stattfindende Weltcup-Springen. Ende 2004 musste man sich schweren Herzens von diesem traditionellen Namen verabschieden, da das Skisprungstadion in Erdinger Arena umbenannt wurde. Für die Sportart selbst war diese Änderung allerdings ein Schritt in eine goldene Zukunft. War Namenssponsoring der Skisportstätten zuvor noch kein Thema, ging Oberstdorf mit seinem nach der Brauerei „Erdinger Weißbräu“ benannten Austragungsort sozusagen als Vorreiter in die Annalen ein.

Hier werden aus Außenseitern potenzielle Tour-Sieger

Doch egal ob Skisprungstadion am Schattenberg oder Erdinger Arena: Wichtiger als der Name des Stadions sind letztendlich die sportlichen Leistungen der Springer, die Jahr für Jahr in Oberstdorf darum kämpfen, einen perfekten Start in die Vierschanzentournee hinzulegen. Der Druck in Oberstdorf ist für die Athleten vielleicht noch größer als bei den darauf folgenden Wettbewerben. Hier sind erstmals im Jahr alle Blicke auf sie gerichtet. Hier werden Außenseiter über Nacht zu potenziellen Tournee-Siegern – und umgekehrt. Noch bevor sich die Skispringer auf den Weg zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen begeben, lassen die drei Athleten, die es in Oberstdorf aufs Treppchen schaffen, schon einmal die Sektkorken knallen.